• Letztes Update:   28. Juni 2017

Talkrunde möchte geflüchtete Menschen zu Studium und Ausbildung ermutigen

Unter dem Motto „Arbeiten und Studieren in Deutschland – Chancen, Hürden, Möglichkeiten“ steht am 06. September 2016 die Talkrunde, die beim Offenen Kanal Merseburg-Querfurt e.V. aufgezeichnet wird. Der Film-Event gehört zum Projekt „Das sind Wir! -  Dialog zwischen Geflüchteten und Merseburgern“ vom Verein Neue Wege Miteinander. Vor der Kamera sitzen Ines Stöbe, Pressesprecherin beim Eigenbetrieb für Arbeit Saalekreis, Janine Söllinger-Weist, Koordinatorin für Integrations- und Brückenangebote an der Hochschule Merseburg, Frau Anke Annemarie Taner, Integrationsbeauftragte des Landesstudienkolleg, Omar Alshatta, Flüchtling aus Syrien und Franz Friedrich, Student an der Hochschule Merseburg, der die Talkrunde moderiert. Hinter der Kamera stehen Geflüchtete aus dem Iran zusammen mit dem Team vom Offenen Kanal.

 

Janine Söllinger-Weist ist zusammen mit einer Kollegin die erste Kontaktstelle für geflüchtete Menschen, die an der Hochschule in Merseburg studieren möchten. Sie berät als „Wegweiser und Lotse“, um den Weg ins Studium zu schaffen. Anke Annemarie Taner berichtet von einem ins Leben gerufenen dualen Studienangebot, dass mit Deutschkurs und Gasthörerschaft einhergeht. Im Publikum sitzen junge Geflüchtete, die in Deutschland studieren möchten. Omar Alshatta kennt die Problematik von sprachlichen Hürden und der geforderten Fachsprache. Aber auch die Anerkennung von Studienabschlüssen im Herkunftsland stellt ein Problem dar. Laut Taner gibt es beim Landesstudienkolleg Möglichkeiten, eine Prüfung zur Anerkennung des Abschlusses oder vorbereitende Kurse zur Aufnahme eines Studiums abzulegen.

Ines Stöbe vom Jobcenter  ist thematisch gleich bei den demografischen Entwicklungen der Region. Bei der Wirtschaftslandschaft im Saalekreis weiß sie, dass Fachkräfte in unterschiedlichen Bereichen benötigt werden. Etwa 1.200 unbesetzte Stellen sind derzeit im Saalekreis zu verzeichnen. Da sollten sich alle ermutigt fühlen die Chancen zu ergreifen.

Omar Alshatta hat einige Fragen an die Mitdiskutierenden im Gepäck. Freunde und Bekannte, meist auch Geflüchtete, sind an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten interessiert. Aus dem Publikum wird zudem deutlich, dass für viele Menschen die Bürokratie eine große Hürde bedeutet. Sie verlieren dadurch Zeit, Lebenszeit, die sie lieber in Ausbildung, Studium oder Arbeit investieren würden. Auf diverse Beratungs- und Unterstützungsangebote verweist Franz Friedrich. Dabei kann aber auch nicht vernachlässigt werden, dass insbesondere für Menschen, die neu nach Deutschland zugewandert sind, mehr Eigenengagement nötig ist, als hier Geborene meist aufbringen müssten.

Im Eigenbetrieb für Arbeit gibt es einen Sachbearbeiter, die sich vorrangig mit Arbeitsmarktzugang für geflüchtete Menschen beschäftigt. Zwei weitere Kollegen sind für Dolmetschertätigkeiten angestellt. Ferner sind sechs Bildungsträger im Saalekreis aktiv, die Deutsch-Kurse anbieten, berichtet Ines Stöbe. Mit Profiling-Maßnahmen wird vom Eigenbetrieb für Arbeit zudem geholfen, Fähigkeiten und Fertigkeiten herauszufinden und zu fördern. Darüber hinaus sind laut Stöbe auch noch weitere Zukunftsprojekte in Planung. Eine Konferenz zur Arbeitsmarktintegration mit Jobbörse am 30. September ist dabei nur ein erster Schritt. Der Eigenbetrieb sei auch ständig mit Unternehmen in Kontakt, um Anforderungen, Bedarfe und auch die Bereitschaft, geflüchtete Menschen einzustellen, zu eruieren. Ziel ist die nachhaltige Eingliederung in Arbeit und Gesellschaft, bringt Ines Stöbe die Intention der vielfältigen Aktivitäten von Jobcenter und Arbeitsagentur auf den Punkt.

Zum Projekt des Vereins Neue Wege Miteinander gehören noch weitere Filmbeiträge, wie zum Beispiel der Beitrag "Agieren statt Resignieren" (Link). Die aktuelle Talkrunde wird demnächst ebenfalls im Programm des Offenen Kanals Merseburg-Querfurt e.V. und online veröffentlicht. Das Projekt wird gefördert vom Netzwerk Weltoffener Saalekreis.