• Letztes Update:   28. Juni 2017

Gemeinsame Pressemitteilung der Betroffenen des Angriffs und der Koordinierungsstelle des „Netzwerks Weltoffener Saalekreis“

Im Geusaer Ortsteil Atzendorf (Merseburg) wurde ein 29Jähriger in der Nacht zum Sonntag (19. Juli 2015) von zwei männlichen Personen angegriffen und verletzt. Der Betroffene erlitt nach Schlägen und Tritten mehrere Prellungen und Platzwunden, verlor für kurze Zeit das Bewusstsein und musste nach dem Angriff im Krankenhaus versorgt werden. Vor der Attacke waren die Angreifer auf ihr späteres Opfer aggressiv losgegangen. Sie bezeichneten ihn als „Zecke“ und fragten ihn u.a.: „Bist du ein scheiß Linker, oder was?“

Der Betroffene und eine schwangere Bekannte kamen etwa 01.00 Uhr vom Atzendorfer Teichfest. Die späteren Angreifer – in Begleitung von zwei Frauen – machten sich in Atzendorf an einem Verkehrsspiegel zu schaffen und wollten diesen abreißen. Nach der Aufforderung, das zu unterlassen, sonst würde man die Polizei rufen, näherten sich die Angreifer dem 29Jährigen. Mit den Fragen, ob er eine „Zecke“ oder ein „scheiß Linker“ sei, wurde die Stimmung schnell aggressiver. Der 29Jährige antwortete auf die Fragen nicht. „Bist du für oder gegen Kanaken, Türken, Ausländer, Asylanten?“, wollten die Angreifer zunehmend aggressiver von dem 29Jährigen wissen, um seine politische Meinung einzuordnen.

Nach der Drohung: „Alter, hau ab sonst kriegste auf`s Maul!“ schlug einer der Angreifer auf den Betroffenen ein. Als dieser dann am Boden lag traten beide Angreifer laut Zeugin bis zu zehnmal gezielt auf den Kopf des Mannes. Dabei hielt einer der Beiden das Opfer nochmals hoch, damit der andere Angreifer gezielt zutreten konnte. Als die Angreifer und deren Begleiterinnen den Angriffsort verließen war der Betroffene kurzzeitig bewusstlos, wie dessen Begleiterin feststellen musste. Durch Rettungskräfte wurde er anschließend ins Krankenhaus gebracht. Die Folgen: mehrere Hämatome und Schürfwunden an Kopf und Körper und ein Augenlied musste genäht werden.
Die Begleiterin des Opfers, die den Angriff mit ansehen musste, steht auch am Folgetag noch unter Schock. Die rechte Motivation, die aus den Aussagen der Angreifer zu entnehmen war, findet in der Polizeipressemitteilung keine Erwähnung, obwohl sie das vor Ort bereits zu Protokoll gegeben habe, beklagt die Zeugin.

Wenige Stunden später sei die Polizei im Bereich des Teichfestes wieder im Einsatz gewesen, wie weitere Zeugen berichten. Mindestens einer der vorherigen Angreifer soll gemeinsam mit weiteren Personen nochmals in Auseinandersetzungen verwickelt gewesen sein. Schon vor dem Angriff auf den 29Jährigen sahen sich nicht-rechte Jugendliche am späten Abend gezwungen, das Teichfest nach verbalen Anfeindungen von Rechten und Neonazis zu verlassen.

Merseburg, 20. Juli 2015