• Letztes Update:   24. Juli 2018

Netzwerk bietet Input und Vernetzung fĂĽr gesellschaftliche Herausforderungen

Am 5. Mai 2018 nahmen etwa 60 Interessierte an der Konferenz des Netzwerks Weltoffener Saalekreis im Jugendfreizeitzentrum Leuna teil. Thematisch stand die Veranstaltung im Spannungsfeld aktueller gesellschaftlicher Debatten. Neben Tipps, Angeboten und Know How zur gelingenden Mitgestaltung einer vielfältigen Gesellschaft sowie zu Teilhabemöglichkeiten von  Jugendlichen, gab es auch Workshops, die Analyse- & Handlungsoptionen gegenüber Stammtischparolen, Populismus und Fake News zum Inhalt hatten. Mit einem Impuls von Prof. Dr. Hartmut M. Griese zu unterschiedlichen Perspektiven und Wirkungsfaktoren auf gesellschaftliche Zusammenhänge und Vorstellungen wurde die inhaltliche Debatte angeregt.

 

Rechte Stammtischparolen und populistische Debattenbeiträge waren von Anfang bis Ende im Programm, dafür sorgte das Team von Creative Change e.V. . Der Verein bot zum Themeneinstieg szenische Beiträge wie diesen aus seinem theaterpädagogischen Repertoire: Zwei Brüder und ihre Frauen treffen aufeinander. Aus dem gemütlichen, fröhlichen Zusammentreffen entwickelt sich schnell eine hitzige Diskussion über Flüchtlingspolitik. Nach nur wenigen Minuten hält der eine Bruder es nicht mehr aus und geht mit den Worten „Wenn unser Vater das sehen könnte, würde er sich im Grab umdrehen“. Im Workshop wurde die Szene diskutiert. Auf die Frage hin, wer so etwas schon mal erlebt habe, gingen alle Hände der Teilnehmer nach oben. In Kleingruppen wurden eigene Erfahrungen ausgetauscht und nach Lösungsansätzen gesucht.

Wie lässt sich in solch hitzigen Situationen wieder eine Gesprächsatmosphäre schaffen, in der man sich überhaupt unterhalten kann? Aktives Zuhören, Selbstmitteilungen, Perspektivwechsel und Empathie, aber auch Hinterfragen, Ruhe schaffen und Menschen dort abholen, wo sie gerade stehen, waren die gemeinsam präferierten Ideen. Zum Ende unseres Workshops ist eine Teilnehmerin in die Rolle von einem der beiden Brüder geschlüpft und hat versucht die zuvor gesammelten Lösungsansätze anzuwenden. Ein Gespräch war möglich; ruhig und freundlich, nicht hochgeschaukelt und aufgeregt, wie zuvor.

Im Workshop „Fake News, Manipulation & Desinformation im Netz“ widmeten sich die Teilnehmenden der Verbreitung gezielter Falschinformationen im Internet. Dabei bot Lorenz Schill vom Offenen Kanal Merseburg-Querfurt e.V. einen Überblick über das Phänomen und dazugehörige Randphänomene wie „Social Bots“ und „Filterblasen“ bzw. „Echokammern“. Im Verlauf des Workshops wurden mögliche Ursachen und Verbreitungsaspekte genauso beleuchtet, wie mögliche Folgen von „Fake News“ für eine demokratische Gesellschaft.

Um zukünftig kompetent mit Nachrichten und Informationen im Netz umgehen zu können, erhielten die Teilnehmenden praktische Hinweise und wurden darüber hinaus mit verschiedenen Hilfsmitteln vertraut gemacht, mit deren Hilfe sie auch im Alltag Nachrichteninhalte auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen bzw. die Urheber solcher Inhalte kritisch hinterfragen können. Im Workshop wurde deutlich, dass die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft neben vielen Vorteilen leider auch einiges Missbrauchspotential in sich birgt, was die demokratische Gesellschaft auch zukünftig vor ganz neue Herausforderungen stellt. Im Ergebnis des Workshops war allen Teilnehmenden bewusst, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein muss, sich in Zukunft zunehmend kritisch mit Nachrichten und Informationen auseinanderzusetzen, da nur so drohenden Gefahren für demokratische Systeme durch gezielte Falschinformationen entgegengewirkt werden kann.

Im Workshop „Interkulturelle Orientierung in einer vielfältigen Gesellschaft“ boten die Jugendwerkstatt Frohe Zukunft Halle-Saalekreis e.V., das Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V.,  AFOS e.V. und der Friedenskreis Halle e.V. Einblick in interessante Projekte und Erfahrungen. Austausch und Vernetzung standen dabei für die Teilnehmenden im Mittelpunkt, um zukünftig auch im Saalekreis stärker von bestehenden überregionalen Angeboten und Strukturen profitieren zu können.

Im Workshop „Jugend. Engagement. Mitbestimmung. Aber wie?“ stellten das Projekt „Creative Change“, das theaterpädagogische Projekttage an Schulen zu den Themen „Demokratie“ und „Umgang mit populistischen Parolen“ anbietet sowie der Verein „Politik zum Anfassen“, der Planspiele und Medienprojekte mit jungen Menschen durchführt, ihre best-practice-Beispiele für eine erfolgreiche Beteiligung von Jugendlichen an gesellschaftlichen Prozessen vor. Außerdem stellten das AWO Jugendwerk Sachsen-Anhalt und die Netzwerkstelle für Schulerfolg im Saalekreis (AWO Regionalverband) ihre Arbeit und Erfahrungen aus Jugend-Demokratieprojekten sowie aus dem Bereich Schulsozialarbeit vor.

In der anschließenden angeregten Diskussion sammelten die Workshop-Teilnehmer*innen aus sehr unterschiedlichen Projekten für sie wichtige Voraussetzungen, um erfolgreiche Jugendbeteiligung möglich zu machen. So waren sich die Teilnehmenden einig, dass eine Niedrigschwelligkeit der Angebote und eine starke Lebensweltorientierung – d.h. Wünsche und Bedürfnisse von Jugendlichen werden ernst genommen – wichtige Erfolgsfaktoren sind. Weitere wichtige Punkte für eine erfolgreiche Jugendbeteiligung sind zudem das Entwickeln von Stärken bei Jugendlichen sowie Selbstwirksamkeitserfahrungen, die Jugendlichen die Sicherheit geben, auch unter schwierigen Bedingungen selbst etwas verändern zu können. Neben der fachlichen Diskussion konnten die Teilnehmenden neue Impulse und Ideen für ihre eigene Arbeit sammeln und es gab Raum, um eventuelle Kooperationen zu diskutieren.